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VON HANS-MARTIN JERMANN
HIMMELRIED. Auf Hochglanz polierte Boliden, schwere Lederklamotten, lauter Vereinsabzeichen und Aufnäher, Tätowierungen und lange «Matten» bei Mann und Frau. Dazu Bratwurst und kistenweise Bier, kreischende Gitarren dröhnen aus den Boxen: Die beinahe klassische Ausgangssituation eines jeden Bikertreffens. Doch man hüte sich vor Klischees. Schliesslich ist Biker nicht gleich Biker, wie dem Berichterstatter am von den Basler «Long Riders» organisierten Motorradtreffens beim «Stollenhüttli» in Himmelried wiederholt vor Augen geführt wird; «Wir sind keine bösen Buben», sagt Vereinspräsident Hausi Rufener, ein Endvierziger mit muskelbepackten Oberarmen und leicht ergrautem, langem Haupthaar. Das aus Filmen bekannte Bild der gewalttätigen, Drogen dealenden Rockergang habe mit der Realität nichts zu tun. Natürlich sind die Sprüche. die an der ausgelassenen Party tonnenweise fallen, nichts für einen Kindergeburtstag - ebenso wenig die omnipräsenten Totenkopfembleme.
Individualität und Toleranz werden gross geschrieben Indes ist der Umgang, den die Töfffahrer untereinander pflegen, äusserst herzhaft, mitunter familiär. Individualität und Toleranz werden gross geschrieben. Der Journalist, der hier auffällt wie ein bunter Hund, wird zuerst zwar neugierig beäugt, doch dann freundlichst gegrüsst. «Long Riders»-Präsident Rufener kennt alle hier - auch jene, die extra aus dem 1000 Kilometer entfernten Berlin angereist sind. Von den vielen Treffen hat Rufener Freunde in ganz Europa. Sprichwörtlich ist die Gastfreundschaft in dieser verschworenen Gemeinschaft: «Sucht ein Biker auf der Durchreise einen Ort zum Schlafen, lade ich ihn selbstverständlich zu mir ein», erklärt Rufener. Das würden vermutlich nicht alle tun: «Für einige mag das Töfffahren einfach ein tolles Hobby sein, für uns Motorradbrüder ist es eine Lebensart.» Das geht soweit, dass ein Clubmitglied der «Long Riders» schon mit seinem Seitenwagen gezügelt hat. Und so ist auch das dreitägige Treffen in Himmelried primär die Feier eines Lebensstils. «Wer hat die schönste Maschine mitgebracht?» - Das ist zwar Stoff für abendfüllende Diskussionen, doch insgeheim findet wohl jeder seine eigene die Tollste.
Kein Zweifel besteht dagegen, wer den Pokal für die älteste Maschine erhält: Es ist eine 1949er «Triumph», dicht gefolgt von einer feuerroten 1954er «Nimbus», einem dänischen Fabrikat. Dem Liebhaber läuft das Wasser im Mund zusammen: «So eine siehst du auf der Strasse vielleicht alle zehn Jahre einmal», stellt Rufener klar. Die Biker «fachsimpeln», was das Zeug hält: Über die Radstände der «Chopper», über Sinn und Unsinn von 5,7 Liter-Motoren bei Zweirädern, den Kult um die «Harley Davidson», den zumindest «BSA»-Fan Rufener hinten und vorne nicht begreifen kann. Auch hier gilt: Die Geschmäcker sind verschieden und Biker ist nicht gleich Biker.
MOTORRAD-«BRÜDER». Für den Brislacher Joe Fürst (l.) und Hausi Rufener, Präsident der Basler «Long Riders», ist Töfffahren mehr als nur ein tolles Hobby es ist eine Lebensart. FOTO DÜRRENBERGER
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